Helmut Lent – Namensgeber der Lent-Kaserne

Ein zweiter Mölders-Brief? Initiative enttarnt Fälschung nach 73 Jahren

Die Rotenburger Initiative die sich für einen neuen Namen der Kaserne einsetzt schaut genau hin – einigen vielleicht manchmal zu genau. Doch Gründlichkeit lohnt sich. Beim Verfassen eines Kommentars zur Aussage des CDU Fraktionschefs Klaus Rinck fiel Marc Andreßen aus Rotenburg eine Kopfzeile bei einem alten Zeitungsartikel auf. Er gab die unvollständige Kopfzeile bei Google einund ergänzte sie sinngemäß. “Nachrichten für die Truppe” stand dort. Das Suchergebnis: eine Schock. Es ist der Titel eines US-Propaganda-Blattes  für “graue Propaganda” – Fake News, wie man heute sagen würde. Ein typographischer Abgleich brachte Gewissheit: Der Artikel stammte nicht aus der “Deutschen Allgemeinen Zeitung” wie Bücher und Gutachten es behaupten, sondern von einer Seite 3 der “Nachrichten für die Truppe. Ein Puzzle setzte sich zusammen, denn der Artikel enthält beim genaueren Hinsehen Fehler. Es ist von “den oder die nationalsozialistische Idee” die Rede, Helmut Lent hat nur eine Tochter, obwohl Geburtsanzeige der einen und Bild der älteren zweiten Tochter direkt daneben abgebildet sind – zudem wurden die Namen verwechselt. (weiterlesen)

Nachrichten für die Truppe - Artikel stammt aus Propaganda Blatt des US Geheimdienstes

Nachrichten für die Truppe – ein US- Propgandablatt mit gezielten Desinformationen

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Aktuelles

Am 18.01.2018 behandelt der Rat der Stadt Rotenburg eine Beschwerde gegen den Bürgermeister der Stadt Rotenburg. Diese richtet sich gegen ein Memorandum, dass der Bürgermeister nach einer Entscheidung im Rat der Stadt Rotenburg an den Kasernenkommandanten gerichtet hatte.

Memorandum Weber an Buchholz

Memorandum Weber an Buchholtz

In diesem Memorandum schlägt Bürgermeister Andreas Weber eine  “weitere Sinnstiftung” zur Beibehaltung des Namens der Lent-Kaserne vor. Dieses war schon im letzten Jahr in die Kritik geraten und Inhalt zweier Petitionen. Kern der Kritik ist dass Weber Helmut Lent stellvertretend für “den menschenverachtenden Umgang” der NS-Diktatur in eine Reihe  mit den Rotenburger Opfern des Holocaust und der Euthanasie stellt – und nach seiner Auffassung der Kasernenname als “Stolperstein” erhalten bleiben soll.

Helmut Lent – verführt – ausgenutzt – missbraucht ?

Dazu hatte sich bereits der Initiator der Stolpersteine Gunter Demming geäußert, der darauf vom Kieler Militärhistoriker Dr. Dieter Hartwig aufmerksam gemacht wurde. Dr. Dieter Hartwig wandte sich mit einer Email auch direkt an Andreas Weber. In dieser merkt er an: “die ‘Stolpersteine’ des Künstlers Demnig gelten den NS-Opfern – und Sie verwenden den Begriff für einen bekennenden NS-Sympathiesanten!” Die Bundesvereinigung der Opfer der NS- Militärjustiz hatte sich in einem Schreiben direkt an das Bundesverteidigungsministerium gewandt, mit der eindringlichen Bitte, “die Demütigung der NS-Opfer” zu verhindern.

Wie hat sich Andreas Weber geäußert?

Seine Auffassung erläuterte Weber unter anderemin einem Radio-Interview, in dem er sagte: “ Es ist auch eine große Sinnstiftung darum für die Lent-Kaserne wenn wir genau an den Namensstein, den Namensstein der Kaserne, wo Lent-Kaserne steht, eine Informationstafel dazu aufstellen, um alle darüber zu informieren, das damals gewesen ist und wie Soldaten missbraucht wurden von einem totalitären System. Das machen wir nicht nur dort bei der Lent-Kaserne, sondern bei vielen anderen Orten auch, wie beispielsweise auch bei den Toten die aus dem KZ-Lager Sandbostel befreit worden sind und hier in Rotenburg verstorben sind. Und wo wir auch im letzten Jahr eine große Aktion durchgeführt haben und den Toten ihren Namen wiedergeben.” Weitere Aussagen des Bürgermeisters Andreas Weber in diesem Kontext finden Sie um unteren Teil der verlinkten Seite.

Die Beschwerde , die Stellungnahme Andreas Webers und die Vorlage für den Rat der Stadt Rotenburg und weitere Hintergründe finden Sie hier. In seiner Stellungnahme aus dem Dezember 2017 schreibt Weber: (…) “damit auch dort eine Erinnerung für  unsere Nachkommen vorhanden bleibt, was in der damaligen Zeit des 3. Reiches passiert ist und Soldaten für die Stützung eines totalitären Systems benutzt wurden.”

Widerspruch des Beschwerdeführers Fricke vor der Ratssitzung

Der Beschwerdeführer Fricke antwortete am 16.01.2018 an Weber auf die Stellungnahme. Darin weist er auf einen Widerspruch hin. Anders als vom Bürgermeister dargestellt, wurde dieser in der Zeitung zitiert “Er sprach sich dafür aus, den Namen beizubehalten, „vor dem Hintergrund, was Lent geleistet hat“. (Kreiszeitung) Weiterer Aussagen Webers in diesem Kontext auf der Seite die sich mit der Beschwerde Frickes im Detail auseinandersetzt.

Fricke fürhrt weiter aus: “1933 bis 1945 war der tiefe Zivilisationsbruch. Inzwischen freilich ist auch das tiefsitzende Bedürfnis zu beobachten, die erinnerungspolitisch komfortable Position des Opfers (!) zurückzuerlangen. Seit einiger Zeit bemüht man sich etwa, den Zweiten Weltkriegumzuerzählen oder einzelne Etappen herauszugreifen. Die Konzentration auf den Bombenkrieg zwischen 1943 und 1945, als Deutschland verstärkt zum Ziel alliierter Bomberflotten wurde, ist ein solches Verfahren der Umerzählung.”

Vorgänge werfen überregional Fragen auf

Militärhistoriker Wolfram Wette

Militärhistoriker Wolfram Wette

Der Militärhistoriker Wolfram Wette hatt in einem Artikel der Badischen Zeitung geschrieben:

Die Lentkaserne in Rotenburg bei Bremen ist so ein Fall. Frau von der Leyen kam zum berechtigten Schluss, dass der frühere Jagdflieger Helmut Lent keineswegs würdig ist, in der Traditionslinie der Bundeswehr zu stehen. Lent war bekennender Nazi, und er hat zum Endsieg aufgerufen. Die Ministerin stieß aber auf eine immense Gegenwehr: Kommunalpolitik, Offiziere und Soldaten wollten ihren Lent behalten. Da stellt sich die Frage, wie eine solche Mentalität in eine ganze Region reinkommt, dass man einen alten Nazi-Oberst als Namensgeber behalten will.”

 

Angemerkt sei, dass die Kaserne durch ihrem Namen bereits  50 Jahre Gelegenheit hatte, zur “Anregung eines kritischen Geschichtsbewusstseins” in dieser Region beizutragen. Dies ist offenbar nicht durchgängig erfolgreich gewesen.

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Mythen und Fakten

Das Lent-Erinnerungsbuch im Stadtarchiv in Stade

Umschlag des Lent-Erinnerungsbuches aus dem Stadtarchiv in Stade

In diesem Bereich werden zurzeit besonders “strittige Punkte” behandelt, die sich in den letzten Monaten ergeben haben – daher auch der Titel “Mythen und Fakten”. Einen allgemeineren und umfassenderen Blick, finden Sie auf der Seite allgemeine Informationen, die auf den in einigen Gutachten erwähnten “umfassenderen” englischen Wikipedia Artikel basieren, dieser liegt hier in einer Deutschen Übersetzung vor. Die entsprechenden Nachweise und Quellenangaben entnehmen Sie bitte dem englischen Wikipedia-Artikel. Diese haben wir zunächst nicht übernommen.

Eine Bearbeitung unter Titel dem Titel “Mythen und Fakten” wurde notwendig, nachdem in der Diskussion – und zum Teil auch in Gutachten – einseitige Darstellungen und Falschdarstellungen veröffentlich wurden. Dieser Bereich geht maßgeblich auf die Arbeit von Michael Quelle aus Stade zurück, der in den so genannten “Erinnerungsbüchern” und anderen öffentlichen Quellen recherchiert hat. Michael Quelle engagiert sich seit Jahren in den Bereichen Geschichtspolitik und Erinnerungsarbeit und versteht sich als politisch-geschichtlich Arbeitender. Eines dieser “Erinnerungsbücher” wird im Stadtarchiv in Stade verwahrt, ein anderes im Landesarchiv, ebenfalls in Stade. Die Erinnerungsbücher wurden von der Frau Helmut Lents, Lena Lent zusammengestellt und enthalten persönliche Aufzeichnungen, Dokumente, Zeitungsausschnitte und Kommentare von und zu Helmut Lent. Das Erinnerungsbuch im Landesarchiv Stade hat einen Umfang von ca. 200 Seiten. Themen, die hier behandelt werden, sind die Todesanzeige, der Charakter der Beerdigungsfeier, aber auch der Frage der NSDAP Mitgliedschaft und Details zu seiner Frau Lena Lent. Diese Themen wurden durch eine Gutachten eingebracht, das den Vorlagen im Kreistag und im Stadrat Rotenburgs beilag und auf Initiative einer Organisation erstellt wurde, die das Ziel hatte, den Namen Lent-Kaserne zu erhalten. Auch bei Wikipedia wird es als das “neuere und umfangreichere” Gutachten beschrieben. Doch es Enthält nachweislich Fehler, verkürzte Darstellungen und Relativierungen. Diese bereits schlechte Informationslage wurde durch Amtsträger und freischaffende Historiker weiter verschlechtert, mit den bekannten Folgen. Es geht auch auf viele Details zur Person gar nicht erst ein, z.B.  die folgenden

Aussagen von Helmut Lent

Schreiben und Eigenberichte von Helmut Lent finden sich im Lent-Erinnerungsbuch, das von seiner Frau Lena zusammengestellt und z.T. auch geschrieben wurde. Das umfangreichere Exemplar im Landesarchiv Stade ist am Anfang mit Datum vom 3.9.1945 und am Ende von Lena Lent unterschrieben. Dieses Exemplar vom Lent-Erinnerungsbuch wurde 1966 bei Sotheby in London versteigert und die untenstehenden Schreiben und Aussagen sind ihm entnommen. Ein weiteres Exemplar vom Erinnerungsbuch „das ungebrochen ‘Führergläubigkeit’ und Verabsolutierung des Militärischen, des Kampfes widerspiegelt“ (so Dr. Bohmbach, Leiter vom Stadtarchiv Stade am 23.06.2004) befindet sich im Bestand des Stadtarchives Stade.

01.09.1939 – Überfall auf Polen

Eigenbericht Helmut Lent vom 1.09.1939. Lent schrieb diesen Text am Tag vor dem Überfall auf Polen, gleichzeitig dem Beginn des zweiten Weltkrieges

„Jeder von uns weiß, daß heute ein schicksalschwerer Abschnitt Weltgeschichte beginnt, der nicht mit Worten und auf Papier, sondern mit Blut geschrieben wird. Jeder von uns ist sich seiner Verantwortung bewußt, daß er mit dazu beizutragen hat, dass das deutsche Volk vor der Geschichte bestehen kann, daß Deutscher Fliegergeist im neuen Glanze erstrahlt, daß des Führers große Hoffnung auf seine Luftwaffe nicht enttäuscht wird. Für 4,30 ist der Start angesetzt. Der Auftrag lautet kurz: Begleitschutz für Kampfverbände, die den Fliegerhorst Krakau um 5,30 angreifen…“

Kommentar von Lena Lent zum Charakter Helmut Lents

Auf einer Seite vor den “Schreiben an die Herren Kommandeure” führt Lena Lent aus:

„… seine Schreiben vom 22.6. und 18.8.1944 an die Herren Kommandeure lassen deutlich seinen Charakter und seine Lebensart erkennen.“ „ Man lese nur seine Schreiben an die Kommandeure vom 22.6.44 und 18.8.1944, um zu wissen, welche hohen Aufgaben er jedem Gruppenkommandeur stellt – alles Aufgaben, denen er sich selbst unterworfen und die er auch selbst durchgeführt hat.“

22.6.1944 – Helmut Lent an seine Kommandeure:

„Ein guter Kommandeur ist wie ein hervorragender Schäferhund, der überall herumspürt, der da, wo schlechtes Gesindel sich herumtreibt, zubeißt, der seine Schafherde zusammenhält, der den Wolf oder das Raubtier, das in die Herde einfallen will – angreift und vernichtet. Die Männer seiner Gruppe müssen dauernd das Gefühl haben, von ihrem Kommandeur kontrolliert zu werden. Sie müssen sich dauernd beobachtet fühlen. Es genügt nicht, dass der Kommandeur einmal im Monat seine Leute zusammennimmt, sonder er muß täglich und dauernd bei ihnen und unter ihnen sein. Er muß mit seiner Härte sparen. Zunächst muß er versuchen, väterlich fürsorglich zu ermahnen und anzuspornen und die Peitsche muß das letzte Mittel sein. Und wenn sie angewandt wird, dann muß der Peitschenhieb treffen. Ein deutscher soldatischer Führer knallt nicht mit der Peitsche, sondern er schlägt zu, wenn er sie braucht. Der Kommandeur muß seine Besatzungen treten, wenn sie bei erfolgversprechendem Ansatz ohne Abschuß nach Hause kommen.“

„Ein besonderes Augenmerk muß der Kommandeur auf die neu hinzugetretenen Besatzungen legen. Er hat dafür zu sorgen, dass sie im Milieu des Nachteinsatzes sofort zu Hause sind. Wenn sie aber dann keine Erfolge bringen, dann sind sie zuerst zu ermahnen, dann aber unter Umständen zu bestrafen. Feiglinge müssen erbarmungslos ausgerottet werden.“

Kathrin Rössel über die Umbenennung der Lent-Kaserne in der Kreiszeitung

Kathrin Rössel über die Umbenennung der Lent-Kaserne in der Kreiszeitung

„Wir sind in der entscheidenden Phase dieses Krieges angelangt. Durch den Einsatz unserer neuen Waffen ist das Vertrauen nicht nur des deutschen Menschen in der Heimat, sondern auch des deutschen Soldaten an der Front zur Führung und vor allem auch zum Endsieg unerhört gewachsen. Es beginnt nun der Endspurt. Ich bin gewiss, dass der Endsieg nicht mehr fern ist, wenn auch der kleine Nachtjäger irgend einer Nachtjagdgruppe mit noch mehr Einsatzfreudigkeit und noch größerer Verbissenheit und vor allem noch größeren Erfolgen gegen den Feind fliegt.“

 

18.18.1944 – Helmut Lent„An die Herren Kommandeure“:

„Die wirksamste Belehrung ist selbstverständlich eine Fahrt durch die zerstörten Städte. Die Besatzung, die dann noch nicht weiß, was sie zu tun hat, ist feige und muß ausgerottet werden.“

„Vorallem aber ist es notwendig, den Soldaten klar aufzuzeigen, was geschehen würde, wenn es den Feinden gelänge, tatsächlich über uns herzufallen.“ „Für uns bleibt als logischer Schluß nur die eine Antwort, daß wir in leidenschaftlicher und fanatischer Weise bis zum letzten Blutstropfen kämpfen.“

„Die deutsche Geschichte ist nicht arm an Beispielen, in denen härteste Entschlossenheit und höchste Vaterlandsliebe auch in aussichtslos erscheinenden Situationen doch am Ende die Rettung des Vaterlandes zur Folge hatte. Wir wollen nur an diese geschichtlichen Vorbilder denken und uns von ihnen aufrichten lassen, aber auch die neueste deutsche Geschichte, dieser Weltkrieg bringt Ereignisse und Beispiele, die das Herz eines jeden deutschen Soldaten höher schlagen lassen. Denken wir nur an die Antwort des Kommandanten von St. Malo auf die Aufforderung zur Übergabe an die Amerikaner: „Eine Übergabe läßt sich mit der deutschen Soldatenehre nicht vereinbaren!“ Denken wir auch immer daran, daß sich eine Kapitulation oder ein unwürdiger Friede mit der deutschen Ehre nicht vereinbaren läßt.“

Dies sind die Texte zu den Lena Lent schrieb, sie ließen “deutlich seinen Charakter und seine Lebensart erkennen”.