Traditionserlass Helmut Lent Kaserne Rotenburg Wümme

Neues Schlageter Denkmal in Wardböhmen unweit des KZ Bergen-Belsen


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Die gedankliche Verbindung zwischen Schlageter und Lent sind zwei Artikel des Militärhistorikers Wolfram Wette. Der eine handelte vom “Ideal des Freikorps in rechten Kreisen” der andere ging konkret auf die Lent-Kaserne ein und stellte die Frage, was diese Region so besonders macht, wenn die parlamentarischen Gremien mehrheitlich einen NS-Helden als “sinnstftenden Namensgeber” für eine Bundeswehrkaserne wünschen. Die herausragende Gestalt der Freikorps-Mitglieder in der NS-Zeit war sicherlich Albert Leo Schlageter. Kein anderes Mitglied wurde in dieser Weise Reichsweit als Held aufgebaut und mit Denkmälern, Straßen und anderem geehrt. Auch dieser Herr wirkt im Landkreis Rotenburg überdurchschnittlich nach – ähnlich sieht es im Nachbarkreis aus. Das Schlageter Denkmal in Drögenbostel bei Visselhövede im Landkreis Rotenburg hatte schon für Kontroversen gesorgt. Die Tatsache, dass der Verfassungsschutz empfohlen hatte “das Thema ruhen zu lassen” – der Touristikverband jedoch Radwanderkarten neu auflegte, die das Schlageter-Denkmal als Sehenswürdigkeit ausweisen oder das Denkmal in Zeitungen und auf Bildern in Kirchen erscheint, kann schon wundern. Auch die unkommentierte Abbildung einer Gruppe Personen vor dem Denkmal kann verwundern. Schlageter Denkmal in Wardböhmen Ähnlich verwunderlich ist die aktuelle Geschichte des Schlageter Denkmals in Wardböhmen. Dort befand sich süd-östlich des Dorfes im Wald auf dem Schafstallberg ein Schlageter-Denkmal aus den 20er Jahren. Dieses lag nun jedoch auf dem Truppenübungsplatz Bergen. Im Jahr 2012 stellt der Kommandant des Platzes fest: “Albert Leo Schlageter habe keinerlei Beziehungen zur Bundeswehr und stehe nicht in ihrer Tradition” und baute den Stein ab und lagerte ihn auf dem Scheibenhof ein. Doch nur wenige Monate später erschien unweit des Standorts des alten Gedenksteins – jedoch sehr knapp außerhalb des Truppenübungsplatzes ein neuer Schlageter Gedenkstein. Damit dürfte dieser Schlageter Gedenkstein ein Unikum sein – und der neuste Schlageter-Gedenkstein überhaupt und der einzige nach dem Nationalsozialismus jemals errichtete. Nach Aussagen des Grundstückeigentümers wurde dieser im Oktober 2012 errichtet. Dieser hat Humor. Die Celler Zeitung zitiert ihn mit den Worten: “Ich toleriere aber in keinem Fall, dass sich dort eine irgendwie geartete braune Kultstätte entwickelt” – ein Schlageter-Denkmal ist per Definition eine “irgendwie geartete braune Kultstätte” – bereits durch seine Existenz. Wer war Albert Leo Schlageter? Wenn man nicht berücksichtigt, was oder wer Albert Leo Schlageter war, ist solch ein Stein unspektakulär. Schlageter war jedoch eine der ersten Propagandafiguren der Nationalsozialistischen Bewegung. Zu Lebzeiten war Schlageter Mitglied diverser Freikorps – also nichtstaatlicher paramilitärischer Organisationen in den 20er Jahren des letzen Jahrhunderts. Anfang 1921 wurde er Mitglied der “Organisation Heinz”, benannt nach Heinz Hauenstein. Im August 1922 traf sich Hauenstein zusammen mit dem Freikorpsführer Gerhard Roßbach und Albert Leo Schlageter in München mit Adolf Hitler. Thema des Gesprächs war die Ausdehnung der NSDAP nach Norddeutschland. In der Folgezeit entstanden dort zahlreiche NSDAP-Ortsgruppen. Hauenstein gab 1932 an, er sei von Hitler mit der Organisation der NSDAP in Berlin, Brandenburg und Schlesien beauftragt gewesen. Schlageter war er für die “Organisation Heinz” am aktiven Widerstand während der Ruhrbesetzung beteiligt. Die Organisation unternahm die Herstellung von Sprengsätzen und die Sprengung von Bahnstrecken. Nach Hauensteins Rückkehr wurde vor allem Schlageters Gruppe in Essen aktiv bei der „Überwachung und Verfolgung des französischen Spitzeldienstes“. Dazu wurde der Publikumsverkehr der Zentrale der französischen Besatzungsmacht in Essen überwacht. Zivilisten, die dort verkehrten, wurden beschattet, um „Kollaborateure“ und „Verräter“ zu identifizieren. Der Begriff des „Verrats“ konnte im Ruhrkampf dabei jede Art von Kontakten zur Besatzung bezeichnen. „Spitzelabwehr“ bedeutete, dass angebliche oder tatsächliche Spitzel aus dem besetzten Gebiet entführt und der Staatspolizei übergeben wurden. Von deutscher Seite wurden dadurch staatliche Exekutivmaßnahmen an nichtstaatliche Organisationen wie die Organisation Heinz überwiesen, die auch außerhalb der Legalität operierten. Selbstjustiz und Faustrecht nach dem Prinzip der Feme (politische Morde) gegenüber vermeintlichen „Verrätern“ wurden von Polizeibehörden nicht nur geduldet, sondern zum Teil auch befürwortet. So handelte Schlageter nach Ermittlungen der Preußischen Politischen Polizei „in engstem Einvernehmen mit der Essener Polizeibehörde“. Schlageter wurde 1923 festgenommen. Schlageter wurde mit mehreren Mittätern der Bildung einer kriminellen Vereinigung, der Spionage mit dem Ziel von Attentaten und vier Sprengungen angeklagt. Am 9. Mai 1923 verurteilte ihn ein französisches Militärgericht in Düsseldorf „wegen Spionage und Sabotage“ zum Tode. Am 26. Mai wurde das Urteil durch Erschießen vollstreckt. Der erste Soldat des Dritten Reiches Mit seinem Tod wurde Schlageter von der politischen Rechten zum Nationalhelden emporstilisiert. Es entwickelte sich in diesem Teil des politischen Spektrums in der Weimarer Republik ein „Schlageter-Kult“, der zu zahlreichen Veröffentlichungen und die rechtsgerichteten Parteien nicht selten übergreifenden öffentlichen Veranstaltungen führte. Von Anbeginn spielten dabei Nationalsozialisten eine wichtige Rolle. Die politische Rechte glorifizierte seither Schlageter als nationalen Märtyrer, der einem Verrat seiner politischen Gegner zum Opfer gefallen sei. Dabei spielten die Nationalsozialisten und deren unmittelbare Vorläufer eine besonders aktive Rolle. Die „vermeintlichen Heldentaten Schlageters und seiner Gesinnungsgenossen schufen den Grundstock einer Propaganda, mit der über ein Jahrzehnt später das Dritte Reich seine Jugend in ähnlichem Sinne zu erziehen hoffte. So machte der NS-Dichter Hanns Johst in seinem zwischen 1929 und 1932 entstandenen „Schlageter“ seinen Titelhelden zum „ersten Soldaten des Dritten Reiches“: Er mythologisierte Schlageters Ende mit dem pathetischen Aufruf „Deutschland!!! Erwache! Erflamme!!!“ zum „Blutopfer“ für das deutsche Volk. Johsts „Prototyp des nationalsozialistischen Dramas“ wurde von den Nationalsozialisten als stärkste „dichterische Gestaltung der Gesinnung und Haltung unseres neuen Deutschland gefeiert“. Das Schlageter Demkmal auf dem Höllenberg bei Visselhövede wurde am 23. Mai 1926 eingeweiht. Ein Foto in der Rundschau zeigt ein Gruppenbild. In den “Heimatblättern für den Sturmigau” war bereits am 12.10.1924 ein “Aufruf zur Errichtung eines Schlageter-Denkmals auf dem Höllenberge bei Visselhövede-Hiddingen” erschienen. Am 01.12.1929 erschien ein Artikel “Schlageter-Ehrung bei uns und anderwärts “. 1933 wurde die heutige Mozartstraße von Mittelstraße in Schlageterstraße umbenannt. Die Umbenennung in Mozartstraße erfolgte 1946. Schlageter-Kult im 21. Jahrhundert Als 1977 im niedersächsischen Uelzen ein schlageterkritisches Theaterstück von Schülern aufgeführt wurde, kam es zu einem schweren Tumult, an dessen Spitze eine Gruppe um den Rechtsextremisten Manfred Roeder, Führer der „Deutschen Aktionsgruppe“, stand. In Leserbriefen war von einer „Verunglimpfung Schlageters“, von dessen „Heldentum“, „Idealismus“ und „Opfersinn“ die Rede. 1980 veranstaltete die NPD an seinem Geburtsort eine Gedenkveranstaltung. Während der 1990er Jahre geriet Schlageter in rechtsextremen Kreisen nahezu in Vergessenheit. Anfang des 21. Jahrhunderts wurde Schlageters Todestag wieder zu einem Gedenktag in Neonazi-Kreisen. Links zu aktuellen Seiten des rechten Spektrums zu Leo Schlageter: der III. Weg – “Freiheitskaempfer Vorbild Märtyrer” – Seite zu Leo Schlageter mit heroisierender euphemistisch-nationalistischer Darstellung Die Rechte – Demonstration zum 90. Todestages – Bericht aus der Rheinischen Post Junge Alternative – Schlageter-Gedenken am Volkstrauertag – Bericht aus der Welt Junge Nationalisten – Gedenkveranstaltung und Fackelmarsch Ring […]

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Wolfram Wette – Freikorps-Offiziere der Weimarer Republik

Wolfram Wette, Jahrgang 1940, geboren in Ludwigshafen am Rhein, diente nach seinem Abitur in Geislingen als Soldat auf Zeit bei der Bundeswehr. Dort trug er von 1959 bis 1965 die Waffenfarbe der Fernmeldetruppe, sein letzter Dienstgrad war Hauptmann der Reserve des Heeres. Nach dem Ausscheiden aus der Bundeswehr studierte Wette in München bei den Professoren Hans Maier und Nikolaus Lobkowicz Geschichte, Politikwissenschaften und Philosophie. Er promovierte 1971 mit einer Arbeit zu den Kriegstheorien deutscher Sozialisten. Von 1971 bis 1995 arbeitete er als Historiker am Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Freiburg im Breisgau. 1990 habilitierte er sich an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit einer Studie über den SPD-Politiker Gustav Noske, den ersten Reichswehrminister der Weimarer Republik. Seit 1998 ist Wette, einer der Mitbegründer des Arbeitskreises „Historische Friedensforschung“, als Professor für Neueste Geschichte am Historischen Seminar der Freiburger Universität tätig. Am 12. Mai vergangenen Jahres hatte die Wochenzeitung DIE ZEIT einen lesenswerten Beitrag von Wolfram Wette zu „Franco A. und die anderen“ veröffentlicht. Bereits die Unterzeile verrät uns den zeitgeschichtlichen Schwerpunkt der damaligen Arbeit: „In der Bundeswehr existiert ein strukturelles Problem mit rechtem Gedankengut – die Pläne von Franco A. erinnern an die Freikorps-Offiziere der Weimarer Republik.“ Ein bekannter Freikorps Offizier war Albert Leo Schlageter, dem Bewohner des Landkreises Rotenburg ein Denkmal gesetzt haben, das heute noch existiert.  

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