Buxtehuder Tageblatt

Leserbrief für Zum Thema Lent

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Man könnte einiges, was derzeit über die Lent-Kaserne geschrieben wird als „fake-news“ bezeichnen. Begonnen mit der Forderung „von der Leyen müsse jetzt handeln“ und in der Debatte um Lent Klarheit schaffen (Klingbeil). Das muss sie nicht. Sie müsste einer von Soldaten gewünschten Umbenennung zustimmen, damit umbenannt werden kann, sonst nichts. Das legt eine Dienstvorschrift (A-2650/2)  so fest. Gehandelt hat sie aber dennoch, nämlich durch die Unterzeichnung des neuen Traditionserlasses. Die Kreiszeitung schreibt “Der Erlass betont aus Sicht der Linksfraktion ausdrücklich: „Bestehende Benennungen müssen diesem Traditionserlass entsprechen“. Das ist nicht nur „aus Sicht der Linksfraktion so, sondern das steht unter Punkt 4.15 wörtlich so im Traditionserlass. Wenn Herr Grundmann (CDU) wiederum schreibt, die lokale Entscheidung sei, “dann auch in Berlin zu respektieren“, übersieht er, dass vor diesem Respekt die Notwendigkeit besteht, in lokalen Entschlüssen den Traditionserlass als Maßstab einzubeziehen. Der Ball liegt also nicht in Berlin, auch wenn viele meinen, ihn bereits dorthin geschossen zu haben.

 
Der Traditionserlass wurde noch nie „mit der Brechstange“ umgesetzt. Es wird auf einen langsamen Wandel gesetzt, innerhalb dessen sich diese Rahmenvorgaben in der Bundeswehr ausbreiten. Der neue Erlass betont dabei besonders die eigene Geschichte und das Selbstverständnis der Bundeswehr. So stellt der Traditionserlass fest “Die Bundeswehr ist freiheitlichen und demokratischen Zielsetzungen verpflichtet. Für sie kann nur ein soldatisches Selbstverständnis mit Wertebindung, das sich nicht allein auf professionelles Können im Gefecht reduziert, sinn- und traditionsstiftend sein.“ Lent kann kein Repräsentant des Selbstverständnisses und der Prinzipien der heutigen Bundeswehr sein. Er diente zur falschen Zeit in der falschen Armee, die anderen Zielen und Prinzipen folgte, als die heutige Bundeswehr – und dass das so war, dafür trifft ihn keine Schuld.
Mich überrascht die Hektik, mit der aktuell intensiv versucht wird, den Namen der Kaserne für alle Zukunft zu zementieren. Dass Politiker in CDU und SPD sich hinter Lent, aber nicht hinter den Traditionserlass, den Rahmen der Werteordnung der Bundeswehr stellen, finde ich eher befremdlich. Sollten sie nicht eher in ihren Einfluss in ihren Wahlkreisen nutzen, um den Traditionserlass und seine Zielsetzung zu vermitteln? Kann nicht einmal auch ein Politiker vor die Medien treten und sagen: “Schaut her: das ist der Traditionserlass unserer Regierung, und das hat man sich dabei gedacht, und deshalb ist das wichtig“? Im Traditionserlass steht: “Traditionsstiftung und Traditionspflege sind dynamisches und niemals abgeschlossenes Handeln, das sich allen Versuchen entzieht, es zentral oder dauerhaft festlegen zu wollen.“ Der Erlass gibt mit diesem Zitat auch eine Ahnung, wann die Diskussion um den Namen Lent-Kaserne endet: mit einer Umbenennung.

https://www.tageblatt.de/?artikel=-Die-Rotenburger-Lent-Kaserne-behaelt-ihren-Namen-&arid=1360413&pageid=19

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