CDU Fraktionsvorsitzender Klaus Rinck bezieht Stellung
Der Fraktionsvorsitzende der CDU Fraktion im Stadtrat Klaus Rinck bezieht mit einer Pressemitteilung Stellung in der Rotenburger Kreiszeitung. ” Die Zeitung zitiert seine Pressemitteilung mit den Worten: “Fraktionschef Klaus Rinck spricht in einer Pressemitteilung von „links-grünen Schilderstürmern“, die “jegliches Maß verloren hätten.”
Dann nehmen wir mal Maß und schauen uns seine Aussage aus der Pressemitteilung genauer an: “Es ist grotesk, dem Soldaten Lent seine militärische Tapferkeit zum Vorwurf zu machen. Seine Aufgabe bestand darin, als Nachtjäger zu verhindern, dass die deutsche Zivilbevölkerung von alliierten Bomberpiloten getötet wird. Zudem stellt ein neueres und umfangreicheres Gutachten des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr fest, dass Lent dem Nationalsozialismus aufgrund der starken Prägung durch sein christlich-protestantisches Elternhaus distanziert gegenüberstand.”
“Die von Quelle ins Feld geführten beiden Zitate Lents waren bereits bekannt, sie sind beim politischen Meinungsbildungsprozess berücksichtigt worden und stellen insofern keine neuen Erkenntnisse dar.“
Drei Fragen an Herrn Rinck:
Nach den Vorwürfen der “Maßlosigkeit” seien drei Fragen an Herrn Rinck gestellt:
- Wie begründen Sie die Verkürzung von Lents auf Aufgaben, darauf zu
“verhindern, dass die deutsche Zivilbevölkerung von alliierten Bomberpiloten getötet wird”? - Wann und aus welchem Medium gelangten die Zitate aus dem Erinnerungsbuch an die Mitglieder des Rates, um “beim politischen Meinungsbildungsprozess berücksichtigt” werden zu können?
- Auf welcher Basis haben Sie die Aussage “einige Hinweise auf eine innere Distanz” aus dem Gutachten zu “dem Nationalsozialismus distanziert gegenüberstehen” weiterentwickelt?
Zusatzfrage (optional):
Wie definieren Sie “kein Nazi im eigentlichen Sinne”?
Im weiteren finden Sie Hintergrund zu den Fragen.
1. Zur Frage nach der “Verkürzung”
Frage: “Wie begründen Sie die Verkürzung von Lents auf Aufgaben, darauf zu
“verhindern, dass die deutsche Zivilbevölkerung von alliierten Bomberpiloten getötet wird”?”
Helmut Lent als Vorgesetzter
Dass Lent an den Angriffskriegen gegen Polen, Norwegen und England aktiv beteiligt war, unterschlägt Klaus Rinck hier genau so, wie die Tatsache, dass Lent kein “einfacher Pilot” war, sondern vom 1. August 1943 bis 7. Oktober 1944 Geschwaderkommodore eines Nachtjägergeschwaders war, was die Befehlsgewalt über mehr als 1500 Soldaten und eine dreistellige Anzahl an Flugzeugen bedeutete, die bis Juni 1944 auf 5 Standorte verteilt waren:
- Geschwaderstab: Stade
- I. Gruppe: Vechta
- II. Gruppe: Plantlünne
- III. Gruppe: Stade und die
- IV. Gruppe in Westerland auf Sylt.
Insofern könnte man seinen Führungsstil der die Androhung des “Ausrottens” von Feiglingen in den Reihen seiner Untergebenen durchaus als aktive Teilhabe am Repressionsapparat innerhalb der Wehrmacht verstehen.
Helmut Lent an der Invasionsfront
Das NJG2 war nicht durchgängig zum “Schutz von Städten” eingesetzt. Vom Juni bis August 1944 war das NJG2 an der “Invasionsfront” stationiert. Der “D-Day” – also dielandung der Alliierten in der Normandie war am 6. Juni 1944. Hier ein Video aus der damaligen Wochenschau aus dem Juni 1944.
https://www.youtube.com/watch?v=-3-A3O1WeGs
Im August 1944 wurde Das Geschwader aus diesem Einsatz an der “Invasionsfront” zurückgezogen und geschlossen in das Reichsgebiet verlegt. Dort lag die I. Gruppe in Schleswig, die II. in Gütersloh, die III. Gruppe in Düsseldorf und die IV. Gruppe in Wittmundshafen (Ostfriesland). Teile des Geschwaders spezialisierten sich auf das Abfangen englischer Kuriermaschinen auf ihren Weg von und nach Schweden. Was es mit diesen “Kuriermaschinen“auf sich hatte, kann man hier nachlesen:
Hier handelte es sich also um “Personentransporte” und Transporte wichtiger Dokumente – mit denen sich Teile des Gschwaders befassten. Es ist also sehr verkürzt, zu schreiben “Seine Aufgabe bestand darin, als Nachtjäger zu verhindern, dass die deutsche Zivilbevölkerung von alliierten Bomberpiloten getötet wird.”
2. Wann erfuhren die Mitglieder des Rates vom Inhalt des Erinerungsbuches?
Frage: “Wann und aus welchem Medium gelangten die Zitate aus dem Erinnerungsbuch an die Mitglieder des Rates, um “beim politischen Meinungsbildungsprozess berücksichtigt” werden zu können?”
Die Aussagen von Helmut Lent, so stellt Klaus Rinck am 17.11.2017 gegenüber der Zeitung fest, seien bei im Meinungsbildungsprozess , der zum Beschluss im Rat der Stadt am 29.09.2016 geführt bekannt gewesen und berücksichtigt worden: “Die von Quelle ins Feld geführten beiden Zitate Lents waren bereits bekannt, sie sind beim politischen Meinungsbildungsprozess berücksichtigt worden und stellen insofern keine neuen Erkenntnisse dar.”
Michael Quelle hat seine Recherchen im Stadtarchiv Stade erst im Jahr 2107 aufgenommen und die Fundstellen erst im Juni 2017 veröffentlicht. Eine vorherige Veröffentlichung dieser Seiten des Erinnerungsbuches ist nicht bekannt. Während viele Seiten auch von Peter Hinchcliffe im Buch “The Lent Papers” ins Englische übersetzt wurde, fehlen dort z.B. die Briefe an die Kommandeure” Sie wurden den Fraktionen des Kreistages im Vorfeld der dort anstehenden Abstimmung zur Verfügung gestellt. Insofern wäre es interessant, aus welchen Informationsquellen die Mitglieder des Rats der Stadt Rotenburg vor ihrer Abstimmung im Jahr 2016 über diese Zitate informiert worden sind.
3. zur Zusammenfassung des Gutachtens
Frage: Auf welcher Basis haben Sie die Aussage “einige Hinweise auf eine innere Distanz” aus dem Gutachten zu
“dem Nationalsozialismus distanziert gegenüberstehend” weiterentwickelt?
Was sagt das Gutachten genau?
Zurück zur Aussage von Klaus Rinck .Er schrieb, Lent hätte “dem Nationalsozialismus “(…) “distanziert ” gegenübergestanden. Schauen wir einmal in das Gutachten. Dort steht jedoch: “einige Hinweise auf eine innere Distanz” er sei “weitgehend angepasst und systemkonform” eine “nach außen gezeigte Loyalität eines Soldaten zum Regime” und von einer “wahrscheinlich auf ihn zurückgehenden Formulierung seiner Todsanzeige” und auch sei Lent “sehr wahrscheinlich” kein “Nazi im eigntlichen Sinne gewesen.”
Zu dem Gutachten muss man zudem wissen, dass es von einem seiner Vorgänger, dem ehemaligen Ratsherren und CDU-Mitglied Friedrich Kuhle und einer kleinen Gruppe interessierter Herren beauftragt wurde und dieses auf Unterlagen basiert, die Kuhle zusammen mit seinen Mitstreitern zusammengetragen hatten. Diese sind in dem “Aufruf zur Beibehaltung des Namens” zusa
Mängel des Gutachtens
Nimmt man sich dieses aus dieser Initiative resultierende Gutachten im Detail vor, stellt man fest, dass an mehreren Stellen Fehler beinhaltet (z.B. lernte Lent seine Frau Lena nicht in Wien kennen, sondern über Fanpost zu einer Zeit, als er in Jever stationiert war) und Relativierungen (In Lents Haushalt war eine 18-Jährige verschleppte Zwangsarbeiterin beschäftigt – aber hatten nicht irgendwie alle Leute damals Zwangsarbeiter?). Eine Detaillierte Aufarbeitung dieses Gutachtens ist bereits in Arbeit.
Anekdote am Rande
zur Frage “Wie definieren Sie “kein Nazi im eigentlichen Sinne”?
Eine Google-Suche nach der Formulierung “Nazi im eigentlichen Sinne” gab nur sehr wenig Suchergebnisse. Den größten Anteil nehmen Zitate ein, die sich auf eben dieses Gutachten beziehen. Ein weiterer Teil befasst sich mit “Nazis jüngeren Datums”. Eine Person jedoch , die diese Formulierung jedoch schon einmal verwendet hat war offenbar Adolf Hitler:
Der hier als “kein Nazi im eigentlichen Sinne” bezeichnete Arthur Seyß-Inquart nahm übrigens ein böses Ende: Sommer 1945 wurde Seyß-Inquart bis zur Überstellung nach Nürnberg im Kriegsgefangenenlager Nr. 32 (Ascheimer) im luxemburgischen Bad Mondorf mit einer Anzahl von NSDAP-Größen und hohen Angehörigen der Wehrmacht interniert. Im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher, bei dem ihn Gustav Steinbauer verteidigte, wurde er in den Anklagepunkten 2, 3 und 4 (Planung, Entfesselung und Durchführung eines Angriffskrieges, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit) für schuldig gesprochen, zum Tod durch den Strang verurteilt und am 16. Oktober 1946 in Nürnberg hingerichtet. Der Leichnam wurde einen Tag später im Krematorium des Münchener Ostfriedhofs eingeäschert und die Asche in einen Seitenarm der Isar gestreut.
Was ein “Nazi im eigentlichen Sinne” ist, ist also eine weiche Formulierung, die ohne Erläuterung und Präzisierung keinerlei Aussagekraft hat, denn eine einheitliche Definition scheint es nicht zu geben.
Zur letzten Frage könnte man noch ergänzen, dass diese “innere Distanz” aus einer Formulierung der folgenden Todesanzeige hergeleitet wird, die “wahrscheinlich” auf ihn zurückgeht. wahrscheinlich aber eher nicht – denn der Hinweis entstammt einem Flugblatt der US PsyOps – der Psychologischen Kriegsführung und wurde am 01.01.1945 über Deutschland abgeworfen

Todesanzeige Helmut Lent in der DAZ, dessen Formulierung “Im festen Glauben an Jesus Christus” auf Helmut Lents Vorausverfügung basieren soll.
Dies ist die “offizielle” Anzeige – die nicht kritisiert wurde – und zu keiner Untersuchung führte – aber ebenfalls keinen Hinweis auf den Führer enthielt.

Auch die offizielle (nicht kritisierte) Anzeige im Generalanzeiger enthielt keinen Hinweis auf Führer, Volk und Vaterland – wohl wegen des Unfalltodes. Diese Anzeige wurde gegen den Willen der Familie mit diesem Wortlaut geschaltet, die dort schon einen Hinweis auf Jesus Christus und das Zitat Jer. 31.3 unterbringen wollte – “Damit Helmut als Christ in Erinnerung bleibt”, wie seine Schwester schreibt. Auf einen Wunsch ihres verstorbenen Bruders geht sie in dem Zusamenhang nicht ein..
Wie man auf den folgenden Auszügen sieht, hatte sich die Familie schon vorher bemüht, in der größeren Anzeige einen längeren Text und einen Bezug zu Jesus und dem Bibelzitat Jeremia 3,13 zu veröffentlichen, wurden aber zurückgewiesen mit dem Hinweis “Soll ich mir mein meine Zeitung schließen lassen, wegen Ihrer Anzeige?” – Also wusste man – oder hat zumindest ahnen können, was passieren kann wenn eine solche Anzeige zwei Monate später in einer anderen Zeitung erscheint – den Hinweis, dass diese Formulierung auf ihren Bruder Helmut Lent zurückgeht, gibt sie in ihrer nicht. Denkbar wäre ja so etwas wie “und nicht einmal den letzen Wunsch meines Bruders haben sie respektiert” – zudem schriebt sie hier, dass diese Epsiode in der Ansprache erwähnt wurde, die Joachim Lent in Pyrehne hielt – was die Absicht, eine solche Anzeige zu veröffentlichen bereits in die Öffentlichkeit trug – und also nicht nur Schwester, Bruder und Witwe von der Gefahr wissen mussten, sondern auch die gesamte Zuhörerschaft. Und auch hier fand die Tatsache, dass die Formulierung auf Helmut Lent zurückgehen soll keine Erwähnung. Wie man aus der Trauerrede ablesen kann, war es der Familie ein starkes Bedürfnis, Helmut Lent als “Christ” in die Annalen eingehen zu lassen – also wurden viele Zitate eingebunden,wann er die Bibel gelesen hat (vor jedem Flug) und die Hoffnung, dass “Gott auf den Türmmern seine Kirche errichten” möge – nur seinen letzen Willen in Bezug auf seine Todesanzeige – den offenbarte man erst, als die Gestapo mit dem KZ drohte. Das ist eine Geschichte, mit nicht maximaler Plausibilität. Und mittlerweile wissen wir auch wie das zu erklären ist: die Aussage stammte aus “Fake News” alliierter Propaganda: den “Nachrichten für die Truppe”
Hier aus dem Brief der Schwägerin Lents:
Falschdarstellung im Dossier der Gruppe um Friedrich Kuhle
Das Dossier der Gruppe um Friedrich Kuhle “Aufruf zur Beibehaltung der Lent-Kaserne” schreibt zu den Todesanzeigen folgendes:
Helmut Lent hatte vermut lich in Vorahnung seines Todes bereits seinen eigenen Nachruf verfasst. Dabei wurden von ihm die Worte gewählt: ,,Im festen Glauben an Jesus Christus hat der Brillantenträger OTL Helmut Lent … “. Diesen Nachruf übergab die Familie nach dessen Tod an den lokalen General Anzeiger. Entgegen dem Willen der Familie Lent änderte diese Zeitung den Nachruf in eine ,politische korrekte’ Form mit der Führerformel, um einfach nicht anzuecken.
Die Anlage 7 des Dossiers zeigt den Zeitungsartikel, der auch im Buch “The Lent Papers” abgebildet ist. Wenige Seiten davor findet sich in dem Buch die Anzeige aus dem “Generalanzeiger” – und diese enthält die Führerformel nicht.. (Siehe oben). Damit reduziert sich der verbliebene Gestaltungsraum für Lents Vorausverfügung auf die 6 Worte “im festen Glauben an Jesus Christus”
Noch spannender wird die Angelegenheit, wenn man den oberen Bildrandder Abbildung betrachtet: Dort liest man “HRICHTEN FÜR DIE TRUPPE”
Das sieht also nach “Nachrichten für die Truppe” aus. Wikipedia schreibt dazu :
Nachrichten für die Truppe war ein Propaganda-Flugblatt in Form einer mehrseitigen, scheinbar von der deutschen Wehrmacht erstellten Militärzeitung, die von der 8. US-Luftflotte in der Endphase des Zweiten Weltkrieges zwischen dem 25. April 1944 und Anfang Mai 1945 per Flugzeug über Deutschland abgeworfen wurde.
Das erklärt wohl etwas die Fehler in dem Artikel.
- Der Name der Tochter ist falsch (Helma war gerade erst ein paar Wochen alt – das war schon Hinchcliffe aufgefallen)
- Man hat den Führer vergessen – vermutlich sollte es “Bezugnahme auf den Führer oder die nationasozialistische Idee” heißen und nicht “auf den oder die nationalsozialistsche Idee”
- Das war wohl Fake News – analog zum Mölders-Brief – und ist bis heute niemandem aufgefallen…..
[…] Klaus Rinck, CDU Fraktsionssprecher im Rat der Stadt, Kreistagsmitglied “Es ist grotesk, dem Soldaten Lent seine militärische Tapferkeit zum Vorwurf zu machen. Seine Aufgabe bestand darin, als Nachtjäger zu verhindern, dass die deutsche Zivilbevölkerung von alliierten Bomberpiloten getötet wird. Zudem stellt ein neueres und umfangreicheres Gutachten des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr fest, dass Lent dem Nationalsozialismus aufgrund der starken Prägung durch sein christlich-protestantisches Elternhaus distanziert gegenüberstand.” […]
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