Reservistenverband Kreisgeschäftsstelle Rotenburg

Reservistenverband der Bundeswehr in Rotenburg

Reservistenverband der Bundeswehr in Rotenburg

Reservistenverband Kreisgeschäftsstelle Rotenburg

Der Reservistenverband (Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V.) hat sein Büro in der Lent-Kaserne in Rotenburg. Sie finden die Kreisgeschäftstelle Rotenburg (Wümme) Am Luhner Holze 39, Gebäude 48 a in  27356 Rotenburg (Wümme).

Der Reservistenverband ist telefonisch zu erreichen unter der Telefonnummer 04261-943470

Ansprechpartner des Reservistenverbandes sind  der Kreisorganisationsleiter Hans-Gerd Suhl, sowie als Bürosachbearbeiterin Bärbel Beckmann, die Sie telefonisch unter 04261-943469 erreichen.

Die Geschäftszeiten sind
Montag – Donnerstag        08:00 Uhr – 12:00 Uhr
12:30 Uhr – 17:00 Uhr
Freitag                                   08:00 Uhr – 13:00 Uhr

Der Reservistenverband bittet darum, Besuche/Termine auf der Kreisgeschäftsstelle sind im Vorfeld abzusprechen.

Weitere Informationen und Kontaktdaten finden Sie hier.


Eine Stellungnahme des Reservistenverbandes zur Namensdebatte schreibt der Pressebauftragte des Reservistenverbandes Frank Kalff. Am 17.11.2017 Schreibt Kalff in einer Pressemitteilung unter dem Titel

Das Warten geht weiter

Die Monate, ja inzwischen Jahre (vier an der Zahl) sind ins Land gegangen, und noch immer herrscht keine Klarheit über die Zukunft der Benennung der Rotenburger Lent-Kaserne. Die Diskussion um die Liegenschaft der Bundeswehr, in der auch die Kreisgeschäftsstelle Elbe-Weser-Dreieck des Reservistenverbandes ihren Sitz hat, hat noch immer keinen Abschluss gefunden.

Gutachten gehört und Soldaten befragt

Es wurden Gutachten gehört und die in der Kaserne stationierten Soldaten befragt. Außerdem hatten Stadtrat und Kreistag jeweils ein Meinungsbild verabschiedet. Aus Berlin verlautete nur, das Bild von Helmut Lent, Pilot der Wehrmacht (1944 bei einem Flugzeugabsturz tödlich verunglückt und in Stade im Rahmen eines von Hermann Göring als Oberbefehlshaber der Luftwaffe und bei den Nürnberger Prozessen nach Kriegsende als einer der zum Tode verurteilten Hauptkriegsverbrecher angeordneten Staatsbegräbnisses beerdigt), passe wohl nicht mehr zu den Bildern, die man heute als Streitkraft von Ethik und Soldatentum, immer auch verbunden mit einer gewissen Vorbildfunktion, vertreten müsse. Weiter nichts. Und ein Abschluss der Überarbeitung der Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege in der Bundeswehr („Traditionserlass“) als entsprechende Einschätzungs- und Handlungsgrundlage steht auch nach der Bundestagswahl weiterhin aus.”

Gegner der bisherigen Namensgebung schütteln den Kopf

Gegner der bisherigen Namensgebung, die sich vehement für eine Umbenennung stark machen, schütteln den Kopf. Weitere Nachforschungen über das Leben Lents und dessen militärische Rolle im faschistischen Deutschland hat jetzt offenbar ergeben, dass der Soldat in einer Art und Weise zu dem Staat stand, dem er diente, dass eine Änderung des Kasernen-Namens unausweichlich sei. Aufzeichnungen in einem “Erinnerungsbuch” von Helmut Lent, das sich im Niedersächsischen Staatsarchiv befindet, belegten klar, dass der Jagdflieger unumwunden und in völlig unkritischer Haltung zum Gewaltregime der Nationalsozialisten gestanden habe.

Soldaten erwarten Entscheidung aus Berlin

Angesichts der noch immer ausstehenden Entscheidung über Beibehaltung oder Änderung des Namens fordern böse Zunge vor Ort mittlerweile, man möge die Kaserne doch endlich umbenennen: “Warum nicht in Luhne-Kaserne nach dem großen Waldstück, das direkt hinterm Kasernenzaun beginnt?” Dann könne man drei der Buchstaben des ersten Namensteils auf dem vor gar nicht allzu langer Zeit erst gründlich sanierten Schilds am Eingang zur Kaserne auch noch wiederverwenden… Eine angesichts der ernsten Thematik sicher eher unsachliche Anmerkung, aber vor Ort erwarten die Menschen jetzt schlicht eine Entscheidung aus der Hauptstadt, damit Klarheit geschaffen wird. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

 


Kommentar von Marc Andreßen

Ein guter Artikel, der sich kurz aber differenziert mit der Problematik der Kasernen-Umbenennung auseinandersetzt. Was mich bei Lesen verwundert hat war, dass zum einen nicht erwähnt wurde, dass bereits der gegenwärtige Traditionserlass und Lent in seiner Rolle als Namensgeber in Konflikt stehen. Möglicherweise wird das jedoch als bekannt vorausgesetzt.

Ein weiterer Punkt, der mich gewundert hat, ist dass das Procedere, das zu einer Namensänderung führten kann nicht erwähnt wird. Dies ist die oft benannte “Initiative von unten”. Grob beschrieben ist dessen Prinzip ja das folgende: ein “Traditionserlass” steckt einen lockeren äußeren Rahmen “akzeptabler” Traditionen – Traditionen verstanden als “Werte und Normen”. Notwendigerweise gibt es eine Differenz zwischen “Traditionserlass-Rahmenrichtlinien” und “tatsächlich gelebter Tradition”. Wenn also ein Auftrag vom BMVg an eine Liegenschaft geht, “einmal zu prüfen” ob der Name noch mit dem Traditionsverständnis übereinstimmt, dann ist das einerseits ein Wink mit dem Zaunpfahl – genauer jedoch die Aufforderung zu prüfen, ob sich “gelebte Tradition” und “Rahmenrichtlinen” im Einklang befinden. Es entspricht – und das ist ein unverkennbares Prinzip der Bundeswehr – dem Ideal des Staatsbürgers in Uniform und dem Prinzip der inneren Führung, Soldaten Entscheidungsgewalt in Fragen von Werten und Normen zu geben – und diese auch weiterzuentwickeln – unter der Voraussetzung jedoch, dass sich diese im Einklang oder eben innerhalb des lockeren Rahmens des Traditionserlasses befinden. Das Procedere beginnt also mit dieser “Prüfung” – und wie das Kommando Heer schreibt, ist auch der Wunsch, den Namen beizubehalten zu begründen:

Schreiben des Kommando Heer zur Lent Kaserne

Schreiben des Kommando Heer zur Lent Kaserne

Dieses Schreiben datiert noch aus dem Jahr 2016. Und nach meinen Informationen hat sich an dieser Anforderung auch nichts geändert. Wir lesen hier “sinnstiftend im Sinne des gegenwärtigen Traditionsversändnisses der Bundeswehr.” Auch wenn es vielleicht eine Herausforderung und eine zusätzliche Aufgabe für die Soldaten – aber auch die Reservisten – gewesen wäre. Diese Ebene hätte man auch in die Diskussion mit den Kommunen (Rat der Stadt / Kreistag) aktiv einbringen müssen. Das bedeutet “Tradition” für die Bundeswehr, was ist der “Traditionserlass” und nach welchen Kriterien kollidiert Helmut Lent mit den Bestimmungen des Traditionserlasses? Statt dessen wurde eine lange und umfangreiche Debatte geführt, ob und zu welchem Grad Helmut Lent ein “Nazi” war – und diese Ebene wird zum Teil heute noch nicht verlassen.

Ich will ein Beispiel herausgreifen was aus meiner Sicht den Wandel an “Werten und Normen” seit dem Nationalsozialismus und dem zweiten Weltkrieg dokumentiert – und völlig unabhängig davon ist, ob Helmut Lent ein “Nazi” war oder auch nicht. Lent war Ritterkreuzträger mit Schwertern und Brillanten – die höchste Auszeichnung, die ein Soldat erhaten konnte – nur 27 Soldaten wurden mit “Brillanten” ausgezeichnet. Diese Auszeichnungen wurden jedoch nicht für herausragende Einzelleistungen vergeben, sondern im Falle Helmut Lents nach der Anzahl nachgewiesener Abschüsse. Es galt die Metrik: ” Viele Abschüsse = große Tapferkeit = großer Heldenmut = große Ehre = viele Privilegien”. Diese Metrik war es dann auch, die Lent seinen “Sonderstatus” als Held und Idol einbrachte, die ihn aus der Vielzahl der Soldaten hervorhob, die vielleicht früh fielen oder eine weniger spektakuläre und für das NS-Regime und dessen Propaganda-Maschinerie verwertbare Aufgabe hatten. Diese Metrik war es dann auch die zu dem “Privileg” einer opulenten Trauerfeier in der Reichskanzlei und und einem Staatsbegräbnis auf dem Garnisonsfriedhof in Stade führte. Göring sprach anlässlich der Trauerfeier von “unvergänglichen Ruhm” – was ja im Kern ein Versprechen ist, das in die nächsten Generationen hineinreicht.

Fraschka - Mit Schwertern und Brillanten

Mit Schwertern und Brillanten

Dieser “unvergängliche Ruhm” war es dann auch wieder, der zur Benennung der Kaserne führte – denn Lent wurde weiterhin nach den Kriterien des Nationalsozialistischen Regimes als “Ausnahmesoldat”  angesehen – bescheiden, aber überaus erfolgreich. Eher unkritische Literatur wie die Landser-Hefte oder auch die Bücher zu den Heldenmythen wie “mit Schwertern und Brillanten” von Günther Fraschka führten zum Weiterleben des Heldenmythos nach NS-Vorbildern bei. So heißt der Untertitel von G. Fraschkas Buch auch “Die Träger der höchsten deutschen Tapferkeitsauszeichnungen” und dokumentiert eben diese Metrik.

Diese Metrik findet sich jedoch heute nicht mehr im Dienstalltag, dem Begriff heutigen von “Tapferkeit” und auch nicht dem Selbstverständnis der Bundeswehr als Parlamentsarmee eines demokratischen Landes wieder, das in Frieden mit seinen Nachbarstaaten lebt. Helmut Lent muss also kein “Nazi” sein, um in dieser Kategorie keinen Vorbildcharakter zu haben.

Ich denke, man kann das auch gut nachvollziehen, dass das auf junge Soldaten keinen guten Eindruck macht. Ich denke auch viele im Reservistenverband werden das ähnlich einschätzen. Nach welchen Kriterien sollen sie eine “höchste Tapferkeistauszeichnung” erlangen, welche Metrik gilt für sie? Viele Abschüsse = große Ehre? Daher ist es schon seit 1982 im Traditionserlass verankert, welche Metrik gilt: “Um Freiheit und Recht verdient gemacht durch sein gesamtes Wirken oder eine herausragende Tat” heißt es da – das ist also die Messlatte, die Helmut Lent reißt.

Um noch einmal auf das Ende des Kommentars zu kommen, den ich kommentiere: “Vor Ort erwarten die Menschen jetzt schlicht eine Entscheidung aus der Hauptstadt, damit Klarheit geschaffen wird. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.” schreibt der Pressebauftragte des Reservistenverbandes dort. Doch das ist weder die Rolle noch die Absicht des BMVg. Die Entscheidung soll “vor Ort” und “im Einklang mit dem gegenwärtigen Traditionsverständnis der Bundeswehr” gefällt werden.

Dazu ist es notwendig, dass sich die Soldaten einen Ruck geben. Dass sie sich hinter den Traditionserlass von 1982 stellen und als Richtschnur verwenden. Dass sie  dann einen Namensvorschlag erarbeiten – diesen mit dem Kommando Heer abstimmen, um dann die Kommune einbeziehen, um mit denen “Einvernehmen” herzustellen – was ohne Erläuterung des Traditionsverständnisses nicht erfolgreich sein kann.

So endet dieser Prozess sehr schnell. Hier kann sich auch der Reservistenverband einbringen, um diesen Prozess zu beschleunigen.