Kriegspfarrer im Zweiten Weltkrieg

Wie die Kirchen die Wehrmachtsseelsorge bis heute verklären

Kriegspfarrer unterstützten im Zweiten Weltkrieg den Vernichtungsfeldzug in der Sowjetunion. Dennoch wird die Wehrmachtsseelsorge von den Kirchen bis heute teilweise verklärt.

Lange betrieben die Nazis eine aktive Förderung der

Militärseelsorge

Obwohl von Anfang an ausgemacht war, dass man die Kirchen als gesellschaftliche Kräfte nach dem „Endsieg“ ausschalten wollte, betrieb das Regime bis 1942 eine aktive Förderung der militärischen Seelsorge. Hitler sei zunächst der Überzeugung gewesen, so Pöpping, dass der christliche Glaube an ein Leben nach dem Tod auf dem Schlachtfeld für die Moral der Truppe hilfreich sei. Zudem war die deutsche Heeresführung über Generationen hinweg protestantisch geprägt, sodass man den traditionellen christlichen Habitus nicht ohne Weiteres nationalsozialistisch wegidealisieren konnte, ohne gehörigen Unmut zu provozieren.

Beerdigung Helmut Lents in StadeSchon bald aber wurde die vormals strategisch intendierte kirchliche Seelsorge vom NS-Staat marginalisiert. Mit Blick auf die Bolschewiki und seine eigenen SS-Verbände erkannte Hitler, dass ein effizienter Kampfgeist auch ohne jede Frömmigkeit zu haben war. Zudem gewannen die antikirchlichen Kräfte – die Himmlers, Bormanns und Rosenbergs – in den frühen 1940er Jahren endgültig die Oberhand.

Die Wehrmachtsseelsorge wurde somit von einem staatlich geförderten Ertüchtigungsprogramm zu einer von den NS-Eliten beargwöhnten, freiwilligen Dienstleistung herabgewürdigt. So kam es auch, dass der verbindliche überkonfessionelle Gottesdienst, der die Soldaten ursprünglich gleichsam nationalkirchlich einen sollte, ab 1942 in evangelische und katholische Einzelgottesdienste zurückgenommen wurde. Trotzdem scheute man sich vor einer endgültigen Beseitigung und wählte eine Taktik des Ausschleichens.

Die theologische Rechtfertigung kaprizierte sich allein auf das eigene Volk als von Gott geschaffene Entität und stellte den Gedanken einer universalen Nächstenliebe hintan, sagt Pöpping. Natürlich gab es auch eine Verschränkung völkischer und biblischer Motive. Konkret aber bedurften die Kirchen nicht einmal des völkischen Gedankens, um sich dem Führer und seinen Maximen unterzuordnen. Auch solche Pfarrer, die überhaupt nicht nationalsozialistisch eingestellt waren, erklärten mit Verweis auf die Bibel, dass die Obrigkeit von Gott gesetzt sei. Letztlich konnte der weltliche Herrscher Adolf Hitler machen, was er wollte – im Hinblick aufs Vaterland blieben die kirchlichen Kräfte auch noch bei heftigsten Bauchschmerzen loyal. Zumal man im Hinblick auf die Wehrmacht eine Opfertheologie entwarf und den deutschen Soldaten eine Wiederholung der Passion Jesu Christi auf den Leib schrieb.

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„Mögen auch Städte in Asche sinken,
wenn Gott auf ihren Trümmern seine Kirche errichtet,
dann ist doch diese Zeit sogar eine fruchtbare gewesen.“

Helmut Lent 1944

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