Mit Lent auf Nachtjagd – Zeitungsartikel von Werner Kark – 1944

Kriegsberichterstatter Werner Kark begleitete Lent im Jahre 1944 und verfasste über seine Erfahrungen den folgenden Artikel.* Ein Auzug:

Zeitungsartikel von Werner Kark. Erscheinungsdatum 1944

Zeitungsartikel von Werner Kark. Erscheinungsdatum 1944

“Oberstleutnant Helmut Lent, 25 Jahre alt, Kommodore eines Nachtjagdgeschwaders Träger des Eichenlaubs mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes, steht bis zur Stunde mit hundert Luftsiegen, darunter acht Tagabschüssen mit weitem Vorsprung an der Spitze der erfolgreichsten Nachtjäger Sein Ruhm, der sich mit überragenden Leistungen ln der Luftverteidigung unserer Heimat verknüpft. stammt nicht von gestern und von heute. ist nicht einem Kometen gleich er· schienen und wieder verloschen, sondern hat sich – ein Phänimen In der Jagdfliegerei – seit Jahren stetig erhalten. Lent gehörte schon 1941 als junger Staffellkapitän zu den besten Nachtjägern er übernahm 1942 als Gruppenkommandeur erstmalig vor dem damaligen Oberfeldwebel Gildner die Führun).! mit der höchsten Abschussziffer 1943 befestigte er als Geschwaderkommodore seine Stellung in den härtesten Luftschlachten und steht nun Im Jahre 1944 nach dem Heldentod des gleich hochbegabten Majors Prinz zu Sayn-Wittgenstein mit großem Abstand vor allen anderen. Keiner von den 95 Abschüssen, die bis vor kurzem im Flugbuch standen, ist nur wahrscheinlich, alle sind sicher erzielt. Dafür bßrgt der Name eines tadellosen, peinlich korrekten deutschen Ofliziers. 87 Luftsiege sind in dunkler Nacht errungen worden. 43 Viermotorlge sind darunter, 48 zweimotorrige Bomber, 3 einmotorige Jäger und ein Flugboot vom Typ Sunderland.

92 britische Flugzeuge, 2 norwegische, ein polnisches 567 Mann fliegenden Personals beim Feind sind allein durch Ihn nahezu ausschließlich durch Tod oder Gefangenschaft ausgeschaltet worden. Schwerer als solche Zahlen aber wiegt dies. und damit verbindet sich sein größter Stolz: daß viele, viele Tonnen Spreng- und Brandbomben der leidenden Heimat durch seine Leistungen erspart geblieben sind Ich habe In den vergangenen Wochen mit Ihm fliegen dürfen. Wenn die Nachtjagd an sich schon ein ungewöhnlich packendes Erlebnis ist, so schien es mir ein doppe1te<1 Geschenk zu sein, mit diesem Flugzeugführer an den Feind zu kommen. Was leb aber glaube als wesentlichste Erkenntnis auf diesen Einsätzen gewonnen zu haben, und was wohl auch nur In der Nähe einer solchen Besatzung begriffen werden kann, Ist dieses: daß große Meisterschaft nicht aus materieller Überlegenheit von Waffen oder Gerät und zufälligen Glücksumständen erwächst nein, daß sie allein in unermüdlicher soldatischer Pflichterfüllung und durch immer wieder neu aufgewandte Tapferkeit erworben wird. Erst dann segnet das Schicksal mit hohem Gewinn und schenkt den Begnadeten Ihre stärkste niemals zu lehrende und zu erlernende Fähigkeit: den sechsten Sinn.  (Ende Auszug)

—– * Anmerkung : der Anzahl der Abschüsse nach, müsste der Teil des Berichtes, den Werner Kark detailliert beschreibt, zwischen dem 24. und 31. März 1944 verfasst worden sein. Am 24. März erfolgten die Anschüsse Nr. 94 und 95. – erschienen ist der Artikel dann jedoch offenbar erst nach der Verlegung an die Invasionsfront – da in Lille sein 100. Abschuss erfolgte – jedoch ohne diese Verlegung zu erwähnen. Der Tod des genannten Sayn-Wittgenstein war bereits am 21.01.1944.

94 86 24. März 1944 21:30 Uhr viermotoriger Bomber Berliner Gebiet
95 87 24. März 1944 22:00 Uhr viermotoriger Bomber Lübeck

Die folgenden Abschüsse liegen später. Im Juni erfolgte die Verlegung an die “Invasionsfront” nach Frankreich.

96 88 31. März 1944 01:21 viermotoriger Bomber 20-40 km nördlich von Nürnberg Halifax MZ508 / Nr. 578 Geschwader RAF ?
97 89 23. April 1944
Lancaster
98 90 23. Mai 1944 00:21 viermotoriger Bomber Osnabrück
99 91 23. Mai 1944 00:40 viermotoriger Bomber nahe Osnabrück
100 92 16. Juni 1944 00:52 Lancaster südwestlich von Lille

Der Artikel als PDF:

7NL034_121_Helmut_Lent_Artikel_Werner_Kark

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