Recht, Freiheit, Friedensbewahrung

Das Interesse von Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten an der Wehrmacht als Vorbild ist gestiegen: Zu diesem Befund kommt der Historiker Prof. Dr. Wolfram Wette, der sich in seiner Forschung intensiv mit der politischen Rolle der deutschen Streitkräfte vom Kaiserreich bis in die Gegenwart befasst hat. Über Rechtsradikalismus in der Bundeswehr sprach Verena Adt mit dem langjährigen Mitarbeiter des Militärgeschichtlichen Forschungsamts in Freiburg und nachmaligen Professor am Historischen Seminar der Universität Freiburg.

Helmut Lent erhält eine Auszeichnung aus den Händen von Adolf HitlerIst die Wehrmacht bei der Bundeswehr salonfähig geworden?

Der Soldat, der im Ausland eingesetzt wird und der sich darauf einstellen muss, dass er in kriegerische Kämpfe verwickelt wird, sucht von sich aus Vorbilder. Weil er weiß, dass die Politik eine Vorbildrolle der Wehrmacht wegen deren Verbrechen ablehnt, spaltet er diese Verbrechen ab und behält nur den Soldaten übrig, der, wie es heißt, „ewige soldatische Werte“ verkörpert. Genau das erleben wir zurzeit bei den Auseinandersetzungen um die Kasernen, die noch immer nach Wehrmachtoffizieren heißen – Generalmajor Marseille, Oberst Lent, Generalfeldmarschall Rommel. Da erfahren wir, dass die Soldaten einer Garnison an diesen Namen hängen, als ob sie aus ihnen die Kraft saugen könnten für das eigene Tun. Sie sind offensichtlich nicht in der Lage, die Traditionsunwürdigkeit dieser Personen zu erkennen.

Sind Namen von Kasernen nicht eher nebensächlich?

Lent Kaserne Rotenburg Wümme Jägerbatallion 91

Lent Kaserne

Nein! Leute wie Lent, Marseille oder Rommel waren daran beteiligt, dass Nazi-Deutschland alle europäischen Nachbarn überfallen, mit Krieg überzogen und ausgebeutet hat, Teile der Zivilbevölkerung erschossen hat, Millionen von Kriegsgefangenen verrecken ließ, den Holocaust ermöglicht hat. Aus diesem Kontext kann man nicht herauslösen, dass jemand so gut im Abschießen anderer Flieger war, so dass man ihn als Flieger-As verherrlicht. Zu begreifen, dass diese Abspaltung nicht sein darf und dass man das Gesamte sehen muss, fällt vielen Soldaten sehr schwer.

Gibt es Vorbilder auch in der Wehrmacht?

In der Nazizeit konnten Offiziere nicht öffentlich für Frieden eintreten. Aber wir haben ermitteln können, dass Menschen, die so dachten, Verfolgten geholfen und zum Beispiel Juden gerettet haben. Daraus ist ein großes Forschungsprojekt entstanden über Helfer und Retter in Uniform. Wir haben durchaus ein Potenzial an Namen aus der jüngeren deutschen Geschichte, die sich weit besser für eine Traditionsbildung eignen würden als die unseligen Namen von kaiserlichen Generälen und von Wehrmachtgenerälen.

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