Der eigentliche Begriff der Tradition ist für die Truppe eher sperrig.

Kai Rohrschneider, Chief of Staff der US-Army Europe. Rohrschneider erklärt:

“Zwischen dem Traditionsbedarf der Streitkräfte aus Sicht der Soldaten und aus Sicht der Öffentlichkeit besteht ein Unterschied im Fokus. Soldaten suchen Traditionen zuallererst in Vorbildern oder Beispielen, die Erfolg im Kampf oder im Gefecht vermitteln. Die Öffentlichkeit betont die Einbindung in die staatliche Ordnung, in die Gesellschaft. Ich glaube allerdings, dass wir in der Bearbeitung unserer Tradition sehr stark den Bedarf der Gesellschaft reflektieren und berücksichtigen und den Bedarf der Truppe bislang vielleicht nicht so berücksichtigt haben, wie man ihn berücksichtigen könnte.”

Rohrschneider argumentiert aus pragmatischer, nicht akademischer Sicht, wenn er sagt: “Der eigentliche Begriff der Tradition ist für die Truppe eher sperrig. Der Vorgesetzte zieht die Schlussfolgerung daraus: Wenn ich im Bataillon, in der Brigade mal einen Preis auslobe, dann nenn ich den lieber Gneisenau- oder Scharnhorst-Preis und besser nicht Moltke- oder Schlieffen-Preis. Nicht, weil er wirklich ein Problem mit Moltke oder Schlieffen hätte, aber weil er weiß: Na, im Zweifelsfall ist das besser so. Und meine Soldaten kennen alle vier nicht.”

“Klassische militärische Leistungen und Tugenden, Tapferkeit und Ritterlichkeit oder das berühmte Feldherrengenie von Soldaten vor 1933 reichen in meinen Augen nicht mehr aus, um sie, wie es die Gründerväter unserer Bundeswehr in Anlehnung an alte Tradition getan haben, als traditionsbildend zu betrachten. In der Konsequenz bedeutet dies, dass es für eine Hindenburg-Kaserne heute ebenso wenig einen Platz geben kann wie für Emmich Cambrai oder die nach Immelmann, Richthofen oder Bölke benannten Traditionsgeschwader der Luftwaffe.”

Zum Vollständigen Artikel

Diese Seite kommentieren

Bitte hinterlassen Sie einen Kommentar!

avatar
  Subscribe  
Benachrichtigen bei